"Vom Schorsch ond seine Bloma"
Hintersinn und Komik mit dem "Bisinger Brettle" in der Hohenzollernhalle
Frech, makaber, nachdenklich, doch gleichzeitig unterhaltend - mit gekonnten Wortklaubereien präsentierte das "Bisinger Brettle" sein Programm "Schwäbisches Sterben und andere Lebensträume".
ANTONIA LEZERKOSS
Bisingen. Wortgewandt und stimmsicher boten die drei Bisinger, Timo Dotzauer, Andreas Fiedler und Ingo Dollenmaier, mit hintergründig-nachdenklichen Monologen, aber auch humorvoll-heiteren Sketchen eine gehaltvolle Mischung von Geschichten, wie sie nur der schwäbische Alltag schreiben kann.Detaillierte Beobachtungsgabe und die Lust am Dialekt mit all seinen Facetten und sprachlich, phantasievollen Möglichkeiten, prägten ihren Auftritt. Das Programm ist gespickt mit pfiffigen Wortverdrehungen, sinnig-konstruierten Verfremdungen, hintergründigen Doppeldeutigkeiten, verblüffenden Wendungen und virtuoser Dialektik.
Pointenreich und treffsicher in Gestik und Darstellung kombinieren die Akteure schwierige, ungeliebte Themen mit leichten - und servieren sie in bester Manier, mit Komik und Tiefsinnigkeit gewürzt, als schwäbisches Mundartmenü. Der sterbende Schwabe ergibt sich in sein Schicksal mit: "Oh Herrgott, no hol me halt!" Liebevoll präsentierten die Mundartkünstler "d' Schorsch", der fürsorglich seine Balkonpflanzen gießt, aber beschließt, dies nächstes Jahr nicht mehr zu tun; er kann es auch nicht mehr: "Er isch mit seine Bloma gange."
Als witziges Wortspiel "wo bene, wie bene, va bene (es geht gut)" ent puppte sich der Lebensweg des Italieners, der so gerne Gondoliere in Venedig geworden wäre und nun als Stocherkahnfahrer in "Dibenga" gelandet ist.
Rein schwäbische Sprachakrobatik - und für Nicht-Schwaben schwer verständlich - war "Jessasnei" mit viel "wa'ne hau, des ma'ne net".
Timo Dotzauer als verliebter Jüngling überlegte sich wortreich, wie er es seiner Liebsten sagen soll -wo sie sich doch nix sagen lässt.
Typisch schwäbisch auch die Liebeserklärung an eine Kratzbürste, die so sanft ist "wie'n Bettbezug mit Stacheldraht umhüllt und so zärtlich wie'n Waschlappe mit Brennessla g'füllt - doch irgendwie mog i di".
Ganz nachdenklich wurde Timo Dotzauer beim Blick in den Spiegel, der unmissverständlich sein Alter offenbart und sich nicht betrügen lässt, da hilft auch kein "ma isch so jong, wie man sich fühlt", das sagt dem alternden Schwaben gar nichts: "oh, no will i liaber gefühllos sei".
Als spritzigen Höhepunkt nehmen die drei Lästermäuler den schwäbischen Politiker, der sich auf hochgehaltenen Plakaten dolmetschen lässt, aufs Korn, bespotten gnadenlos seine nichtssagenden Worthülsen und entlarven feinsinnig und spitzbübisch die Doppeldeutigkeit von schwäbischen Ausdrücken im Hochdeutschen.
Das Motto der "Brettler", ein guter Text, ein Tisch und Stuhl und ein Lichtstrahl, hat sich für diesen Abend wieder einmal bewährt.
Hohenzollerische Zeitung vom 21.09.2009
"Oh Herrgott, no hol me halt"
Das Bisinger Brettle hatte am Wochenende Premiere seines neuesten Programms "Schwäbisches Sterben und andere Lebensträume" im "Ochsen"-Saal in Grosselfingen.
Foto: Uwe Oster
"Was wenn Träume zerplatzen wie eine Seifenblase oder womöglich sogar in Erfüllung gehen? Das Leben trifft den Todesengel, der Frohmut den Gram, der Kater die Maus und der Schwabe sich selbst. Na wenn das mal gut geht..." - so beschreiben die Künstler selbst ihr Programm. Es ist gut gegangen, weil Andreas Fiedler, Timo Dotzauer und Ingo Dollenmaier wirklich gute Mimen sind. Da sitzt jeder Satz und jede Geste sicher, da werden die Pointen treffsicher gebracht, und schwerere Kost wird mit leichteren Happen kombiniert. Etwa den Manager, der den Tod sucht und den das "vermaledeite Leben" immer wieder "rauskotzt" mit dem Italiener, der so gern Gondoliere in Venedig geworden wäre und am Ende auf einem Stocherkahn in "Dibenga" gelandet ist. Grandios auch der schwäbische Politiker, der sich auf hoch gehaltenen Plakaten dolmetschen lässt. Dabei wurde einerseits die verbreitete Phrasendrescherei entlarvt, andererseits aber auch fast situationskomisch offen gelegt, was so alles passieren kann, wenn man schwäbische Sätze ins Hochdeutsche übersetzt.
Verblüffende Wendungen waren ein weiteres Markenzeichen des Programms. Da wird ein scheinbar idyllisches Liebesgedicht vorgetragen: "Wia sag I es ihr, dass i se gern wellt" - und dies über mehrere Strophen, um dann mit dem pikanten Schlusssatz zu enden: "Wo dia sich doch gar nix sage lott". Hinter den Schein zu schauen, stand auch im Mittelpunkt eines Zwiegesprächs mit dem eigenen Spiegelbild: Ist man es wirklich selbst, den man im Spiegel sieht? "Mei Gsicht sieht aus wia a Landkart. Jede Falte isch wie a Zeile aus der eigenen Biographie". Und egal wie man es dreht und wendet - der Spiegel lässt sich nicht betrügen: Die grauen Haare sind wirklich grau, die Geheimratsecken wirklich da. Und was sagt einem da der beliebte Spruch: "Man ist so alt, wie man sich fühlt". Einem über das älter werden jammernden Schwaben gar nichts: "Da will ich lieber gefühllos sein" So war es ein vergnüglicher Abend im Grosselfinger "Ochsen", bei dem man viel lachen konnte, aber auch einiges zum Nachdenken über das Leben und das Sterben serviert bekam - eine typisch schwäbische Mischung eben.
Schwarzwälder Bote vom 19.08.2009
Globales Schwäbisch erobert Publikum
Kabarett-Trio "Bisinger Brettle" präsentiert neues Programm / Premiere im Grosselfinger Gasthaus Ochsen
VON KLAUS STOPPER

Bisingen/Hechingen - Sie sprechen »ein globales Schwäbisch, das bereit ist, die Welt zu erobern«, und sie fragen sich, ob Schwaben dem Tod auf typische Art ins Auge blicken. Das Kabarett-Trio Bisinger Brettle stellt sein neues Programm vor.
Es heißt »Schwäbisches Sterben und andere Lebensträume« und hat am Samstag, 19. September, ab 20 Uhr Premiere im Grosselfinger Gasthaus Ochsen. Die Gäste dürfen wieder feinsinnige Wortspielereien erwarten, Nachdenklichkeiten, ernste Themen und bizarre Ideen, die sich in realitätsnaher Alltagskomik Bahn brechen.
Das Trio baut nicht auf humoristische Schenkelklopfer und schnelle Lacher. Sie wollen nicht nur einen lustigen Abend bieten. »Mancher Zuschauer hat das schon erwartet, wurde eines Besseren belehrt und kam genau deshalb wieder«, erklärt Timo Dotzauer. »Fast jeder ging angenehm überrascht hinaus«, ergänzt Andreas Fiedler. »Was ihr da bringt, das ist die Realität«, diesen Satz habe er nach Vorstellungen immer wieder gehört, berichtet Ingo Dollenmaier. Viele gingen gut gelaunt aus dem Saal, manche auch mal nachdenklich, »weil wir vielleicht genau eine Stimmung oder eine Situation getroffen haben, die mit dem Alltag übereinstimmt«, erklärt Fiedler.
Dass die Kabarettisten gut ankommen, zeigt schon die Bilanz ihrer Auftritte. An die 40-mal pro Jahr werden sie gebucht. 80 Prozent der Vorstellungen seien ausgebucht, versichern sie. Ihr voriges Programm lief zwei Jahre lang. Klar, dass es einen Nachfolger geben musste. Und weil ihnen der gute Ruf vorauseilt, haben sie für ihr neues Programm bereits 14 feste Engagements im laufenden Jahr.
Das Publikum müsse schon aufpassen, um den vollen Spaß am Programm zu haben, fordert das Trio selbstbewusst. Ihre Sprachspielereien kommen oft als Verse in einem Alltagsschwäbisch daher, das durch seine weit auslegbare Grammatik auch ungewöhnliche Reime erlaubt. Inhaltlich kämpfen sie mit Ernst und Witz gegen Schwaben-Klischees an. Der Tod, unerfüllte oder auf verhängnisvolle Weise erfüllte Lebensträume, Gram und Sehnsucht – der Schwabe erlebt das auch nicht viel anders als Menschen aus anderen Regionen, er redet darüber nur in einer eigenen Sprache.
Karten für die Premiere am Samstag, 19. September, im Gasthaus Ochsen in Grosselfingen gibt es im Vorverkauf unter der Telefonnummer 07471/7482862.
Hohenzollerische Zeitung - 19.08.2009
Lebendigkeit des Dialekts
Bisinger Brettle mit neuem Programm unterwegs / Vorverkauf läuft
Bisingen. Einige Monate war es still um das Bisinger Mundartensemble. Doch nach einer intensiven Zeit des Schreibens, Inszenierens und Probens starten Timo Dotzauer, Andreas Fiedler und Ingo Dollenmaier mit ihrem neuen Programm „Schwäbisches Sterben und andere Lebensträume“ durch. Premiere ist am Samstag, 19. September in Grosselfingen.
Zahllose Stunden, dutzende verworfene Ideen und Texte hat es gebraucht, bis das neue Programm der Erfolgstruppe fertig war. Doch jetzt ist es beinahe geschafft. „Jetzt heißt es nochmals Texte prüfen und dann proben, proben, proben“, sagt Ingo Dollenmaier. Etwa 15 Nummern umfasst das neue Programm, darunter Szenen, Lieder und Gedichte. Also wieder bewährte Brettle-Kost. Denn wer angesichts des Programmtitels meint, es gehe ausschließlich um den Tod mit all seiner Düsterkeit, der täuscht. „Der Tod hat auch etwas Menschliches und ist wahrhaftig nicht nur auf das Körperliche beschränkt“, philosophiert Timo Dotzauer. Doch stellen sich einem dennoch zwingende Fragen: Stirbt ein Schwabe anders als andere? Ist Sterben wirklich ein Lebenstraum?
Die Zuschauer dürfen also auf eine Mischung aus Nachdenklichem und Heiterem hoffen. Dieser Mix ist schon im letzten Programm „Zwischenwelten“ zu finden, was sich als äußerst erfolgreich herausgestellt hat. „Das neue Programm ist selbst in etwas schwereren Szenen durchaus heiter und voller Komik“, erklärt Andreas Fiedler und fügt hinzu „Man darf sich auch wieder auf Wortspielereien und –klaubereien freuen.“ Genau das ist es, was das Bisinger Brettle in der schwäbischen Mundartszene einzigartig macht: Schwindelerregende Wortakrobatik kombiniert mit Komik und einer gehörigen Portion Hintersinn. Den drei Brettlern geht es um den anderen, bewussteren Umgang mit Sprache, um die Lebendig- und Vielseitigkeit des schwäbischen Dialekts.
Das neue Programm setzt also auf Bewährtes und geht dennoch neue Wege. Doch darüber schweigt das Mundarttrio eisern. Denn Premiere von „Schwäbisches Sterben und andere Lebensträume“ ist am Samstag, 19. September um 20 Uhr im Gasthaus „Ochsen“ in Grosselfingen. Weitere Termine sind u.a. in Hechingen, Stuttgart und Rottenburg.
Pünktlich zum Tour-Auftakt ist die DVD des „Bisinger Brettle“ fertig. Auf der rund 50-minütigen Aufnahme sind Live- und Studiomitschnitte des vergangenen Programms „Zwischenwelten – Blicke aus dem toten Winkel“ enthalten.
Karten für die Premiere am 19.09. in Grosselfingen gibt es über die Karten-Hotline
0 74 71 / 74 828 – 62.
Schwarzwälder Bote - 14.02.2009
»Brettle« flimmert bald auf Bildschirm
Bisinger Mundartkünstler nehmen DVD auf / Neues Programm im Herbst / Renitenztheater hat Interesse

Bisingen. Kleinkunst für Zuhause: Die drei Mundartkünstler Andreas Fiedler, Timo Dotzauer und Ingo Dollenmaier sind bereit. Ihr Programm »Zwischenwelten - Blicke aus dem toten Winkel« wird auf DVD aufgenommen
Vor eineinhalb Jahren präsentierte das Mundarttrio sein erstes Programm. Inzwischen spielen die drei Bisinger auf Bühnen im ganzen Ländle. Über 80 Prozent der Aufführungen sind ausverkauft. »Wir sind überglücklich über diesen Erfolg und freuen uns über den kulturellen Durst unserer Zuschauer nach etwas Neuem«, erklärt Ingo Dollenmaier stolz.
Die Philosophie der Kabarettisten, ernste Themen mit Komik und Wortspielen zu kombinieren, scheint den Nerv der Zuschauer zu treffen. Bis zu den Sommerferien ist das Bisinger Mundartensemble noch mit seinem aktuellen Programm unterwegs. »Immer wieder werden wir nach CDs oder DVDs von uns gefragt«, so Andreas Fiedler. Deshalb haben die Drei beschlossen, Ausschnitte aus dem aktuellen Programm aufzunehmen. Geplant ist eine Mischung aus Live- und Studio-Aufnahmen.
Am Samstag, 14. März, ist es soweit. An diesem Tag wird im Hechinger Gasthaus Fecker ein professioneller Live-Mitschnitt angefertigt. »Wir sind ziemlich aufgeregt und hoffen, dass das Publikum während der Aufnahmen gut mitgeht«, gibt Thilo Dotzauer zu. Spannend wird es also allemal, zumal die Zuschauer ebenso wie die Künstler gefordert sind.
Die Studio-Aufnahmen finden dann ohne Publikum in der Bisinger Hohenzollernhalle einige Tage später statt. »Mit dem Hausherrn der Halle, Werner Bachmann, haben wir einen weiteren Profi an unserer Seite, so dass eigentlich nichts schief gehen kann«, meinen die Brettler.
Der SWR und das Renitenztheater in Stuttgart haben bereits Interesse an der DVD bekundet. »Die Nachfrage nach dem Stück ist ungebrochen hoch«, erklärt Fiedler.
Die nächsten Aufführungen sind am Freitag, 7. März, im »Staniskeller« in Rottenburg, am Samstag, 14. März, im Gasthaus Fecker in Hechingen, am Freitag, 20. März, im Gasthaus Ochsen in Grosselfingen, am Samstag, 21. März, in der Besenwirtschaft Krug in Stuttgart und am Freitag, 24. April, im Kesselhaus in Burladingen.
Im Herbst feiert die Mundarttruppe mit ihrem neuen Programm Premiere. Der Titel »Schwäbisches Sterben und andere Lebensträume« führt absichtlich in die Irre. »Es wird kein Programm über das Sterben und den Tod, sondern vielmehr über die Eigenheiten des Schwaben im Umgang mit den alltäglichen Dingen des Lebens«, erklärt Dotzauer. Stirbt ein Schwabe anders als andere? Ist Sterben ein Lebenstraum? Aber was, wenn Träume zerplatzen wie eine Seifenblase? Und was passiert, wenn das ganze Leben ein Traum ist - oder umgekehrt?
Karten für die »Zwischenwelten« gibt es im »Fecker« in Hechingen, Telefon 07471/ 7 39 7137, im »Ochsen« in Grosselfingen, Telefon 07476/ 439642, und im Kesselhaus Burladingen, Telefon 07475/ 45 16 09.
Hohenzollerische Zeitung - 08.12.2008
"Lass Wärme in dein Herz"
"Bisinger Brettle"und Bettina Kästle begeistern im brechendvollen "Fecker"
Die Premierenveranstaltung des "Bisinger Brettle" im "Fecker" wurde zu einem Riesenerfolg. Ebenso sehenswert: die Kabarettistin Bettina Kästle.
DIETMAR WIEDER

Hechingen Weihnachten mal anders betrachtet - frech, frivol, schräg und durchaus bewusst provokativ. Die Adventszeit ist ja bekanntermaßendie Zeit der Besinnlichkeit und der Vorfreude. Doch was ist uns in dieser Zeit außerdem wichtig und worauf freuen wir uns eigentlich? Das Trio Timo Dotzauer, Andres Fiedler und Ingo Dollenmaier beleuchten das Thema Weihnachten von einer anderen Seite. Von wegen Besinnung - Festtagswahn, hektische Betriebsamkeit, Terminstress und Einkaufswahn prägen ihrer Meinung nach das Bild der Weihnachtszeit.
Das "Bisinger Brettle" musste nicht lange suchen, um genügend Stoff für sein neues Programm zusammenzutragen. Denn Zeit - wer hat denn heute noch Zeit? Zeit ist Geld, und von beidem hat man nichts, so die Erkenntnis der Protagonisten.
Das Publikum wurde mit in die "Zeit-Geschichte" einbezogen. Bei der Neufassung der Geschichte um Kaspar, Melchior und Balthasar ging es um Neid, Missgunst und Standesdenken. Zum Schluss siegte das Bekenntnis: An Weihnachten kommt es nicht darauf an, was man hat und was man ist! Stress pur in der Vorweihnachtszeit. Jeder hats eilig, als wäre er auf der Flucht. Darum der Appell des Bisinger Mundartensembles: "Lass doch die Wärme in dein Herz!"
Als Überraschungsgast lernten die Anhänger der schwäbischen Mundart an diesem Abend außerdem Bettina Kästle, "Kästle wie Kasten, bloß kloiner", aus Grafenau-Döffingen kennen. Im Oktober hatten sich das "Bisinger Brettle" und die Kabarettistin in Fellbach kennengelernt. Die Kunst, die Zuschauer mit Banalitäten des Alltags zu erheitern, beherrscht sie perfekt.
Rote Haare, blaue Latzhose und weiße Bluse, dazu rote Schuhe. Mit ihrem Kinder-Akkordeon hatte sie schon fast etwasvon einem Clown. Doch auch mit einer "Quetschkommode für Erwachsene" und einer Gitarre begleitete Bettina Kästle ihre Lieder vom Alpverein und über ihre eigentliche Arbeit als Buchhändlerin bravourös. Es sind die alltäglichen Begebenheiten, die die Kabarettistin in ihren Liedern treffsicher, gewissermaßen köstlich-kästlich, unter die Lupe nimmt.
Das neue Weihnachtsprogramm des "Bisinger Brettle" umfasst 15 Punkte. Einige davon hat das Trio vom Vorjahr übernommen. Herausgekommen ist ein rund zweistündiges "Paket" mit bekannter "Brettle-Kost" an Sprachspielereien, tiefsinnigen Szenen und Liedern. Den Kennern der Kleinkunst im brechend vollen "Fecker" hats gefallen.
Info
Am 21. Dezember gastiert das Ensemble um 15 Uhr im Gasthaus "Ochsen" in Grosselfingen.
Schwarzwälder Bote - 08.12.2008
Wo gibt's den Globus von Baden-Württemberg?
Weihnachtsprogramm von "Bisinger Brettle" und Bettina Kästle kommt gut an
Von Jutta Rager
Hechingen. Auf die Spur weihnachtlicher Scheinheiligkeit begab sich das »Bisinger Brettle« am Samstag im Hechinger Gasthaus Fecker.

Mit der Premiere des Weihnachts-Specials »Wir packen für Sie aus« gastierten Timo Dotzauer, Andreas Fiedler und Ingo Dollenmaier auf der Bühne der vollbesetzten Traditions-Gaststätte. Für die Premierengäste hatten sie sogar eine Überraschung mitgebracht: Bettina Kästle, eine singende und dichtende Buchhändlerin. Mit Christbaumkugeln als Hals- und Ohrschmuck behängt, sang sie sich mit der Episode von der Eintageswanderung auf den Hohen Neuffen in die Herzen der Zuhörer. Sie resümierte, dass sie, seit sie dem Einfluss des wandernden Vaters entwachsen sei, nicht mehr wandere, sondern nur noch »normal« laufe.
Aus ihrer Berufspraxis als Buchhändlerin wusste sie- zu berichten, dass es gerade in der Zeit vor dem Fest schwierig sei, die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Da werde der Globus von Baden-Württemberg verlangt, oder gefragt, ob die Bibel auch aktuell sei. Musikalisch begleitete sie sich auf Mundharmonika, Akkordeon und Gitarre und schaffte es, dass das Fecker-Publikum eine Runde auf alle Buchhändler dieser Welt schunkelte.
Zugeschnitten auf die Vorweihnachtszeit waren die Auftritte des »Bisinger Brettle«. Als Schulbuben stritten sie sich um die Rollen der Heiligen Drei Könige. Keiner wollte der König mit der schwarzen Hautfarbe sein. Erst die Geltungssucht überzeugte einen der Bengel von der Rolle des Melchior, denn der soll schließlich ein Gelehrter und Mediziner gewesen sein. Die hervorragende Reimfähigkeit der schwäbischen Sprache macht geschliffene Kalauer möglich. Dies gipfelt beispielsweise darin, dass der Schwabe sich sorgt, dass er im Grab nicht am Hang »hangt«. Dem »Bisinger Brettle« ist es gelungen, Hektik, Stress und die oftmals nur vorgetäuschte Adventsstimmung dieser Tage in Sketche mit beißendem Spott zu verpacken. Singend wünschte sich das Brettle ein wenig Wärme für die kalten, verrammelten Herzen.
Die Episode von dem allseits beliebten »Nussenmale« hat übrigens eine Fortsetzung erhalten. Es endet als tragisches »Mördermale«. Nicht ohne Zugabe durfte das »Bisinger Brettle« die Bühne verlassen. Weitere Aufführungen des Weihnachts-Specials gibt es am 20. Dezember im Rottenburger Staniskeller und am 21. Dezember im Gasthaus Ochsen in Grosselfingen.
Hohenzollerische Zeitung - 18.11.2008
"Wir packen für Sie aus!"
Bisinger Brettle mit Weihnachtsprogramm unterwegs — Vorverkauf läuft
Das Bisinger Mundartensemble ist während der Adventszeit in Hechingen, Rottenburg und Grosselfingen unterwegs.

Bisingen. Was im vergangenen Jahr noch ein einmaliges, rund einstündiges "Weihnachtsspecial" war, ist nun zu einem zweistündigen Programm gereift.
Das Bisinger Brettle, inzwischen eine feste Größe in der hiesigen Mundartszene, steckt mitten in den Vorbereitungen. Unermüdlich wird geprobt und noch an so manchem Text gefeilt. Denn das Trio will nichts dem Zufall überlassen. Die geschliffenen Wortspiele, die durchchoreografierten Szenen und die ausgeklügelten Lieder machen das Brettle schließlich zu dem, für das es weitüber die Region hinaus bekannt ist.
Über 30 Auftritte konnten die drei Künstler bisher mit ihrem "Zwischenwelten" -Programm verbuchen. Die meisten Aufführungen waren restlos ausverkauft. Im Herbst 2009 wird das Bisinger Brettle mit seinem neuen Programm "Schwäbisches Sterben und andere Lebensträume" Premiere feiern. Es läuft für die Bisinger also alles rund.
Ingo Dollenmaier, Andreas Fiedler und Timo Dotzauer haben nun das Weihnachtsspezial aus dem letzten Jahr erweitert und teilweise umgeschrieben und uminszeniert. "Es ist jetzt frecher, provokativer, bisweilen sogar unverschämt", beschreibt Dollenmaier das Endergebnis. Denn das Ziel der "Brettler" ist es, Weihnachten aus dem Klischee zu holen und Ungereimtheiten aufzuzeigen. "Wir wollen weg von dieser einlullenden Adventsschwärmerei", erklärt Dotzauer.
So wird das Publikum auf eine weihnachtliche Reise mitgenommen, auf der sich viele Fragen ergeben. Was ist Weihnachten? Braucht man es überhaupt? Muss man sich darauf freuen? Es geht also wieder nachdenklich und tiefgründig zu, gepaart mit einer gehörigen Portion Humor.
Das Weihnachtsprogramm umfasst zirka 15 Punkte. "Die Themen der Aufführung reichen von Beschaulichkeit bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit ‚familiärem Weihnachtstourismus', Vergänglichkeit und immanenten Unzulänglichkeiten", fasst Fiedler zusammen. Das neue Weihnachtsprogramm mit dem Titel "Weihnachten mit dem Bisinger Brettle - Wir packen für Sie aus!" hat am 6. Dezember im Gasthaus "Fecker" in Hechingen Premiere. Aus diesem Anlass gibt es noch einen Überraschungsgast. "Wer es ist, wird noch nicht verraten", gibt sich das Trio bedeckt. Weitere Aufführungen sind am 20. Dezember in Rottenburg und am 21. Dezember in Grosselfingen. Karten sind ab sofort erhältlich.
Info
Termine:
Samstag, 6. Dezember, 20 Uhr, Gasthaus "Fecker", Hechingen (Tel 0 7471 7397137, täglich ab 16 Uhr); Samstag, 20. Dezember, 19.30 Uhr, Weinstube Stanis, Rottenburg
(0 7472 27268); Sonntag, 21. Dezember, 15 Uhr, Gasthaus "Ochsen", Grosselfingen (07476 1439642)
Schwarzwälder Bote - 15.11.2008
»Bisinger Brettle« packt jetzt richtig aus
Schwäbisches Kleinkunstensemble tritt mit großem Weihnachtsspezial auf / Neues Programm in Arbeit
Von Volker Rath
Bisingen. Das »Bisinger Brettle« packt schon vor Heiligabend aus: Ihr großes Weihnachtsspezial hat die Kleinkunsttruppe fertig. Premiere ist am Nikolaustag, 6. Dezember, im Gasthaus Fecker in Hechingen.

Zum Christfest hat das Bisinger Trio diesmal ein dickes Päckchen geschnürt. Das kleine Weihnachts-Extraprogramm vom vorigen Jahr wurde szenisch umgebaut und vor allem kräftig erweitert. Herausgekommen ist ein zweistündiges, abendfüllendes Programm mit rund 15 Nummern. Dem Publikum wird die bekannte »Brettle«-Kost serviert: Sprachspielereien, Gedichte, tiefsinnig-komische Szenen und Lieder.
Dotzauer: »Es ist frecher, finde ich. Also, viel frecher.«
Was ist anders als im Vorjahrsprogramm? »Es ist frecher, finde ich. Also, viel frecher«, sagt Timo Dotzauer. Ein Blick auf die Feiertage weitab von der Weihnachtsbesinnlichkeit, so Andreas Fiedler. Die Beiden bilden mit Ingo Dollenmaier das Ensemble. »Schon eher schräge Weihnachten«, sagt Fiedler.
Das klingt böse. Ist es vielleicht auch. Andererseits: Ist Weihnachten, wie es sich für viele darstellt, nicht sowieso bizarr? Spekulatius und Lebkuchen gibt?s seit September im Baumarkt zu kaufen. Hektik beim Geschenkebesorgen und Familienbesuchs-Terminstress kennt vermutlich jeder. Und vor den Feiertagen decken sich die Leute mit Lebensmitteln ein, als gäbe es kein Morgen.
Von wegen Besinnlichkeit und Vorfreude. Die »Brettle«-Macher mussten also nicht weit gehen, um Stoff für das Programm zu finden. Bleibt die spannende Frage, wie der Festtagswahn und andere Gedanken zum Winter aufgegriffen werden. Der Titel klingt verheißungsvoll: »Weihnachten mit dem Bisinger Brettle ? Wir packen für Sie aus.«
Einige Nummern hat das Trio vom Vorjahr übernommen, beispielsweise die Szene, in der sich ein Buddhist, ein Christ und ein Muslim treffen, um über Weihnachten zu sinnieren. Die Pointe ist kein großes Geheimnis: »Um Geschenke geht?s ganz sicher nicht«, so Fiedler.
Das große Weihnachtsspezial ist mittlerweile das dritte Programm. Das derzeitige, »Zwischenwelten ? Blicke aus dem toten Winkel«, ist bislang rund 30 Mal gelaufen. Sechs Termine sind noch gebucht: Nagold, Stuttgart, Mössingen, Hechingen, Bad Wimpfen und Grosselfingen. Im Herbst kommt dann das neue Programm. Der Titel lässt gleich stutzen: »Schwäbisch sterben und andere Lebensträume«.
Weitere Informationen: www.bisinger-brettle.de
INFO
Die Premiere des Weihnachtsspezials mit dem "Bisinger Brettle" findet am Samstag, 6. Dezember, um 20 Uhr im Gasthaus Fecker statt. Karten gibt es im Vorverkauf im "Fecker". Weitere Termine: Samstag, 20. Dezember, um 19.30 Uhr in der Weinstube Stanis in Rottenburg und Sonntag, 21. Dezember, um 15 Uhr im Gasthaus Ochsen in Grosselfingen. Tickets für die beiden letzteren Auftritte können unter Telefon 0 74 76 / 43 96 42 reserviert werden. Die letzten beiden Aufführungen des aktuellen Programms "Zwischenwelten" in der Region: Samstag, 14. März 2009, im Gasthaus Fecker in Hechingen und Freitag, 20. März, im Gasthaus Ochsen in Grosselfingen.
Schwarzwälder Bote - 02.10.2008
Das Schwäbisch ist für sie der teuerste Juwel
Dialekt mal anders: Das Trio »Bisinger Brettle« sorgt im Emminger »Scheraschleifer« für Gelächter / Erneutes Gastspiel im Januar
Von Irmeli Thienes
Nagold. Artisten auf dem schwäbischen Sprachfeld sind sie. Das Trio vom »Bisinger Brettle«, Andreas Fiedler, Timo Dotzauer und Ingo Dollenmaier, überraschte im »Scheraschleifer« Emmingen mit »Schwäbisch in Triolen, feinsinnig und wie aus Pistolen«.

Noch einmal sind sie auf der Emminger Kleinkunstbühne im »Scheraschleifer« am 16. Januar zu sehen und beleuchten wieder Tod und Freiheit Sinn und Unsinn des Lebens, Glück, Trauer und Freundschaft tiefgründig. Dabei bestätigen sie humorvoll leicht die Lebensweisheit.
Auch wenn sie nicht singen, wenn Timo Dotzauer nicht gerade zur akustischen Gitarre greift, groovt ihr Schwäbisch. »Mit Schwäbisch erreicht mr’ Herz ond Seel«, das Schwäbisch sei gar ein Juwel. Diesen Dreien nimmt das Publikum sie ab, ihre Mundart als »Herzenssach’«. Obwohl sie gerade eineinhalb Jahre Bühnenerfahrung teilen, sitzt das Programm »Zwischenwelten – Blicke aus demtotenWinkel«. Ob als altes Paar, das nach gemeinsamem Tod weiter über liegen gebliebene Küchenarbeit zankt und den Dreck im Flur, als gäbe es nichts Wichtigeres, ob als Kollegen, deren Weg zur Freundschaft die Umleitung über die Frage nach Sinn und Glück nimmt – sie unterhalten gut.
Auch mimisch stark – etwa Fiedler als Gevatter Tod und im Gänsehaut-Stück vom überfahrenen Sohn – entlarven sie Putzwahn und Rechtschaffenheits-Radikalismus als Irrwege. »Gucket se uff dr Beerdigung gar freehlich drei, no miässet’s d’ Erbe sei«. Und mit Augenzwinkern trauern sie über Individualisierungstendenzen bis zur Einsamkeit: »Der Abend heit’ gheert mir, do mach’ i, was mir g’fällt, no schad’ isch’, dasse’s med niemand teile ko.«
Auch wenn die Themen selten neue sind, die Spielarten der Drei sind es. Die Zahl schwäbischer Nasallaute und seinen ureigenen Rhythmus nutzend – »do hobe, do drunte, do denne, älle semmr henne« – wird man als Sympathisant gewonnen, schon mal eingefangen von »Bisinger Brettles« eigenem Heimatbegriff. Bei Küferbraten mit Senfkruste auf Spätzlebett kann man sich überzeugen – im Januar.
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Hohenzollerische Zeitung - 23.09.2008
"Schwäbisch ischt a Herzenssach"
"Bisinger Brettle" widmet sich den "Zwischenwelten"
Mundart der in der Tat etwas anderen Art: Das "Bisinger Brettle" zeigte mit seinem Programm "Zwischenwelten - Blicke aus dem toten Winkel" , dass ihm der schwäbische Dialekt am Herzen liegt.
RAMONA KÖNIG

Bisingen Mit dem Begriff "Zwischenwelten wurden die Themen Tod, Glück und Heimat aufgegriffen. Das Publikum erschien so zahlreich, dass wider Erwarten zum ersten Mal im großen Saal der Hohenzollernhalle gespielt werden konnte.
Ingo Dollenmaier, Timo Dotzauer und Andreas Fiedler kamen auch gleich zur Sache. Sie stellten fest, wo der Schwabe einmal sterben möchte: "Auf der Welt der schönste Platz ischt auf der Matratz, ond da will i mal sterba."
Als frisch Verstorbene sah man sie sogleich in einem mitreißenden Wortgefecht über den Tod und ihr erst kurz zurückliegendes Leben diskutieren. Für den Schwaben bekommt das Wort "Fegefeuer" letztlich eine ganz andere Bedeutung, wenn man bedenkt, dass er vor seinem Tod den Boden nicht mehr "gefegt" und die Fenster nicht geputzt hat. Auf ironische Weise begegnete das "Brettle" dem Klischee des immer putzenden Schwaben, und zeigte so schwäbische Kleinkunst einmal anders. Vorurteile über das Wesen der Schwaben wurden nicht hervorgehoben, sondern kritisch beleuchtet. Letztlich muss sich ein jeder vor dem Sensemann verantworten und der ganz allein entscheidet, "wer nuff ond wer na kommt".
In einer sehr feinsinnigen Darstellung wurden die Themen Heimat und Glück veranschaulicht. Mit dem Ausruf "früher war alles besser", erschien in Frack und Spazierstock die glückliche Vergangenheit in Person. Verzweifelt macht man sich auf die Suche nach dem Glück vergangener Tage, bis die "Heimat" hereinkommt und sich beschwert: "Hast du mich vergessen?". Die "Vergangenheit" und die "Heimat" sind Kameraden - und so versteht man am Ende: "A Heimat sott ma hau", denn ohne Heimat ist der Schwabe nicht glücklich.
Um den Nichtschwaben das Verständnis etwas zu erleichtern, wurde in der zweiten Hälfte des Programms mit "einfachen" Beispielen die Vielseitigkeit des schwäbischen Dialektes erklärt. Schnelle Wortfolgen wie "Dadiba-dahina-dahoba-daona. . ." (dort drüben, dort hinten, dort oben, dort unten) sollten die Unmissverständlichkeit der Sprache aufzeigen.
Mit dem Ratschlag "das Leben ist ein zartes Pflänzchen, das man pflegen muss", wurde ein weiterer Höhepunkt des Programms erreicht. In Anlehnung an "Den kleinen Prinzen" von Antoine de Saint-Exupéry lernte der Zuschauer: "Zähm dein Glück, mach s dir vertraut."
Der Abend klang mit zwei Zugaben und großem Beifall aus.
Das "Bisinger Brettle" verstand es, schwäbische Mundart - sowohl sehr anspruchsvoll als auch zum Teil beabsichtigt provokativ - zu einer Wortkunst zu erheben. Das Publikum wurde mit den philosophischen Themen Tod, Glück und Heimat auf tiefdringende Weise konfrontiert, ohne die lustigen und unterhaltsamen Elemente des Kabaretts zu vernachlässigen.
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Schwarzwälder Bote - 31.05.2008
Die Erotik des Schwäbischen Dialekts
»Bisinger Brettle« besteht seit einem Jahr / Neues Kleinkunstensemble startet gleich mit Volldampf
Bisingen. Alles andere als schwäbisch-bescheiden: Das »Bisinger Brettle« wird ein Jahr alt, für das Kleinkunstensemble ging es gleich voll los. Zwei Programme, 20 Auftritte und ein Gastspiel in den »heiligen Hallen« des Lindenhofs liegen schon hinter dem Trio. Wir sprachen mit den Akteuren über neue Pläne und die Erotik des Schwäbischen.

Ein Jahr »Bisinger Brettle« - schon Zeit zum Feiern oder wird durchgearbeitet?
Dotzauer: Wir haben schon gefeiert, aber im ganz kleinen Kreis, und nicht mit Sekt, sondern mit einem Whisky.
Wie fällt Eure Bilanz nach dem ersten Jahr aus?
Dotzauer: Gut. Wir hätten nicht mit soviel Zuspruch gerechnet. Offenbar gibt es ein Publikum für diese Art von Mundart.
Fiedler: Mit kommt es vor, als wäre das schon viel, viel länger als ein Jahr.
Wie oft stand das »Brettle« schon auf der Bühne?
Dollenmaier: Offizielle Auftritte sind das jetzt zwölf Zusammen mit den Gastspielen bei privaten Feiern oder in kleiner Runde müssten das jetzt so um die 20 sein. Das ist das Interessante: Wir wurden öfter nach Auftritten aus dem Publikum angesprochen, und so kamen immer weitere Auftritte dazu.
Hat man da noch Lampenfieber?
Dotzauer: Ja, und wie. Aber ohne geht es ja auch gar nicht. Das darf nie Routine werden.
Dollenmaier: Jeder Auftritt ist anders, auch wenn die Spielszenen die gleichen sind, weil jeder Spielort und jedes Publikum anders ist.
Der Start für das junge Ensemble war ja auch schon berauschend. Keine Angst, eines Tages mit einem Kater aufzuwachen?
Dotzauer: Nein. Wir wissen, dass das für uns auch ganz schnell wieder vorbei sein kann. Die Gefahr, vor leeren Rängen aufzutreten, besteht immer. Da spielen mehrere Faktoren rein.
Welche denn?
Fiedler: Man kann mit dem Auftrittsdatum einfach mal einen dummen Tag erwischen. Bei Schneefall auf der Alb bleibt mancher lieber zu Hause. Es hängt auch vom Werbeaufwand des Veranstalters ab. Manchmal läuft halt was schräg. Wenn mehrere dumme Sachen zusammenkommen, spielt man eben mal vor fast leeren Rängen.
Demnach ist Euch das schon mal passiert.
Dollenmaier: Einmal in Rottweil haben wir vor 18 Leuten gespielt. Es war aber trotzdem gut.
Fiedler: Den Leuten hat's gefallen.
Dotzauer: Das Bühnenempfinden ist manchmal ohnehin ganz anders. Man steht oben und glaubt, es kommt nicht an. Aber das kann täuschen. Es gibt auch sehr verhaltenes Publikum, das während des Auftritts still dasitzt, aber am Ende heftig applaudiert.
Fiedler: Da darf man sich während des Auftritts nicht drausbringen lassen.
Dialekt ist Nuancenreich, was hierzulande für glasige Augen sorgt, lässt andere vielleicht kalt. Können Ulmer und Stuttgarter über den Bisinger Humor lachen?
Fiedler: Das funktioniert schon. Wir machen ja Humor, nicht Bisinger Humor. Wir hatten auch schon Gäste aus Norddeutschland im Publikum, die fanden das auch toll. Sie haben vielleicht nicht jede Feinheit entdeckt, aber worum's geht, merken sie auch. Es ist vielleicht wie bei einem französischen Lied. Den Text versteht auch nicht jeder, aber die Melodie, die Sprachmelodie, gefällt.
Eingängige schwäbische Melodik?
Dotzauer: Ja, genau. Die Klangfarbe.
Umfrageergebnissen zufolge gilt sie aber als unerotisch in höchstem Maße.
Fiedler: Es kommt auf die Frau an. Die Sprache kann so unerotisch nicht sein. Es gibt ja schließlich auch Schwabenkinder.
Was macht die Erotik des Schwäbischen aus?
Dotzauen: Die Vielseitigkeit. Die Sprache ist sehr facettenreich. Sie kommt auf den ersten Blick grob, plump und bäuerlich daher, das ist sie aber nicht. Das ist ein Klischee, dem wir entgegenwirken wollen.
Fiedler: Schwäbisch ist auch nicht schlechter als andere Sprachen. Deshalb machen wir das, grad zum Bossen.
Klappt's mit sprachlichen Missionsarbeit?
Fiedler: Doch, doch.
Wie könnte sich das »Brettle« weiterentwickeln?
Dotzauer: Im Herbst 2009 soll das neue Programm stehen, neue Szenen, neue Texte, neue Lieder. Der Kleinkunstcharakter soll aber bleiben. Es kommen szenische Monologe dazu. Neue Themen aus dem Leben gibt es ja genug.
Apropos. Soll die Kunst irgendwann mal zum Leben reichen?
Dotzauer: Also, ich würde mich nicht dagegen wehren.
Fiedler: Zum Leben reicht's immer. Es ist bloß eine Frage des Standards. Wie heißt es: »Es geht aufwärts«, sagt der Vogel, wenn ihn die Katze die Stiege hochschleift.
Dotzauer: Der Ehrgeiz ist schon da, sich zu entwickeln und mehr zu wollen. Mal auf einer renommierten Bühne zu stehen, das wäre schon toll.
Die Fragen stellte Volker Rath
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Schwarzwälder Bote - 07.03.2008
»Brettler« geben ihre erste Autogrammstunde
Doppelvorstellung in Bisinger Café kommt an / Neue und alte Nummern im Programm
Bisingen. Zwei Vorstellungen in Folge gab die Kleinkunstgruppe »Bisinger Brettle« vor ausverkauften Rängen mit ihrem Programm »Aufgwärmts mit Nachgschmack« im Café am Kreisel in Bisingen.

Ingo Dollenmaier, Timo Dotzauer und Andreas Fiedler ernteten für ihre Darbietung begeisterten Applaus, sogar Autogramme mussten sie geben, das erste Mal in ihrer Karriere. »Aufgwärmts mit Nachgschmack« bestand aus Teilen des aktuellen Programms »Zwischenwelten - Blicke aus dem toten Winkel«, mit dem die drei Mundartkünstler zur Zeit im Lände unterwegs sind.
Die Zuschauer, die das Brettle zum Teil vom ersten Auftritt an begleiten, freuten sich somit auf ein Wiedersehen mit Nummern wie der »Namenskunde«. In dieser Szene geraten sich ein Dichter und ein werdender Vater in die Haare. Auch das Lied »D'r Bua« ließ den einen oder anderen Zuschauer aufs Neue eine Träne verdrücken. Ebenso vertraut war dem Publikum der Schüttelreim »Emmer«, an dessen Schluss »Ond vorm Zahla gemmer emmer!« stand.
Der andere Teil des Programms bestand aus neuen Ideen, die das Mundartensemble gekonnt auf der Bühne umsetzte. Die Szene »I schmeck nix« zeigte, wie oft man im Leben über den Übermut, Neid und Ungeduld stolpern kann und dass es dann leicht mal »dufta« oder »stenka« kann. Verständlich wurde die hochgradig philosophische Einsicht vermittelt, dass die Dinge im Leben immer zwei Seiten haben.
In Erinnerungen schwelgten Timo Dotzauer und Andreas Fiedler in dem Lied »Des war i«, und Ingo Dollenmaier beschwerte sich eindrucksvoll über Frauen, die sich trotz liebevoller Hingabe einfach nichts sagen lassen. Erst nach zwei Zugaben kam Timo Dotzauer dazu, sich bei Bianca und Michael Stockinger (Café am Kreisel) zu bedanken. »Wir durften unter dem Motto >Kultur im Café< einen Anfang setzen und hoffen, dass viele weitere Künstler den Weg in dieses Café finden werden«, sagte Dotzauer.
Das »Bisinger Brettle« verteilte als Dankeschön anschließend an jeden Zuschauer eine Baumwolltasche mit dem Logo der Gruppe. Plötzlich bildete sich um die drei Künstler eine Menschentraube, die die Tasche signiert haben wollte. So kamen die drei »Brettler« ganz unverhofft zu ihrer ersten Autogrammstunde.
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Hohenzollerische Zeitung - 24.01.2008
KULTUR / Bisinger Brettle im "Cafe am Kreisel"
Gastspiel im Lindenhof
Die schwäbische Kleinkunstgruppe Bisinger Brettle kann sich vor Anfragen kaum noch retten. Den drei Bisingern steht ein dicht gedrängter Terminkalender ins Haus. Höhepunkt ist das Gastspiel in den "heiligen Hallen" des Theaters Lindenhof in Melchingen.

BISINGEN Für das Bisinger Brettle läuft es wie geschmiert- "Fast wöchentlich gehen Anfragen ein", berichtet Andreas Fiedler. So ist es nicht verwunderlich, dass es die drei Mundartkünstler bis nach Stuttgart und Ulm führt.
Das aktuelle Programm "Zwischenwelten — Blicke aus dem toten Winkel", das bereits in der Region zahlreiche Zuschauer begeisterte, scheint auch woanders im Ländle gut anzukommen. "Dass die Nachfrage und das Bedürfnis nach unserer Art, Mundart zu machen, so gut ankommt, hätten wir nicht gedacht", gibt Ingo Dollenmaier überwältigt zu.
Buchungen für Geburtstage, Hochzeiten und Firmenfeiern füllen zudem den Terminkalender der Mundarttruppe- Aber auch "alte Bekannte" sind wieder dabei, wie zum Beispiel das "Fecker" in Hechingen oder die Hohenzollernhalle in Bisingen.
Doch auch das Weihnachtsprogramm, mit dem das Brettle im Dezember Premiere feierte, sorgte für ein ausverkauftes Haus. Deshalb wird es in der diesjährigen Adventszeit eine kleine "Weihnachtstour" durch die Kreise Zollernalb, Tübingen und Reutlingen geben.
Da knallten die Korken
Der Höhepunkt im Jahr 2008 wird das Gastspiel im Theater Lindenhof in Melchingen. "Als wir die Zusage aus Melchingen bekamen, haben wir erst mal ausgiebig die Korken knallen lassen", schwärmt Timo Dotzauer. "Das ist sozusagen der Hauptgewinn."
Am 5. April werden die Lindenhöfler dann zum Beispiel Bekanntschaft mit dem zum Klassiker gewordenen "Nussamale" machen. Das Brettle kann sich zurecht über das Gastspiel freuen. Denn es ist ja landläufig bekannt, dass schon so manches Gastspiel im Lindenhof allerlei Künstlerkarrieren beförderte.
Für Freitag, 29. Februar, hat sich das Bisinger Brettle etwas Besonderes einfallen lassen. Unter dem Motto "Kultur im Café" wird Mundart im neuen Café am Kreisel in Bisingen präsentiert. "Aufgwärmts mit Nachgschmack" heißt das rund einstündige Sonderprogramm, mit dem das Brettle Bekanntes und Neues auf die Bühne bringen möchte.
"Es wird eine Mischung aus aktuellem Programm und neuen Szenen, Liedern und Gedichten", erklärt das Mundarttrio: "Ein Café ist dazu natürlich eine passende Plattform."
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Hohenzollerische Zeitung - 27.12.2007

Hohenzollerische Zeitung vom 24.07.2007

Schwarzwälder Bote vom 23.07.2007

Hohenzollerische Zeitung vom 17.07.2007

Schwarzwälder Bote vom 27.04.2007
